Der Folgende Artikel bezieht sich, wenn nicht anders gekennzeichnet, auf die Homepage der Avaaz Bewegung: http://www.avaaz.org/de/about.php mit Stand vom 31.01.2011, 17:55 Uhr.
Oft könnte man sich die Frage stellen, was das Internet denn eigentlich für einen Sinn hat. Wo oder wie bewegen wir uns im Netz? Was tun wir tagtäglich, wenn man doch davon ausgehen kann, dass jeder von uns durchschnittlich an 5,7 Tagen 136 min. im Internet ist (http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=258).
Wir vernetzen uns mit unseren Freunden per facebook, myspace, diverse vz's, stayfriends und anderen social networks. Wir lesen online Zeitungen weil es so einfach ist, wir arbeiten online per Email oder recherchieren Inhalte. Man verfolgt Blogs, in denen Themen, die für einen speziell spannend sind, besprochen werden, oder wir frönen dem Voyeurismus und unserem Selbstdarstellungstrieb. Aber hat das einen wirklichen Sinn? Ja wahrscheinlich schon, für jeden einen ganz bestimmten, welcher nicht verurteilt werden darf.
Meine Frage zielt eher darauf ab, ob man mit dem Internet auch etwas bewirken kann, was der Gesellschaft zu Gute kommt. Ob man eventuell sogar die Welt ein kleines bisschen verändern könnte? Ich habe mich auf die Suche nach einer Plattform / einem Tool im Internet gemacht, was für mich ganz persönlich Sinn macht und ich bin fündig geworden.
Im Folgenden stelle ich die Avaaz Bewegung vor, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat „Millionen von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten eine Stimme (…) (zu geben), um dadurch auf dringende internationale Themen Einfluss zu nehmen: den Schutz der Umwelt, die Achtung von Menschenrechten sowie die Verminderung von Armut, Korruption und Krieg. Avaaz nutzt das Internet, um Tausende von individuellen Aktionen zu bündeln, um mit vereinten Kräften für das Gemeinwohl einzutreten.“ Ihre Arbeitsweise ist einfach. Avaaz ist eine Organisation, welche Petitionen erstellt und weltweit per Internet zeichnen lässt, diese befassen sich mit Themen wie Menschenrechten, Umweltschutz, und anderen von den Mitgliedern als wichtig empfundenen Themen.
Außerdem finanzieren sie Anzeigenkampangen, setzen sich mit Regierungsvertretern in Verbindung und organisieren ‚Offline‘- Proteste und Events. Avaaz hat ein einzelnes global agierendes Team welches 14 sprachig auf 4 Kontinenten arbeitet. So ist eine fast weltweite Abdeckung gewährleistet. Jedes Mitglied hat die Möglichkeit Vorschläge einzuschicken, welche Themen behandelt und bearbeitet werden sollen. Das Team von Avaaz.org prüft diese dann und erstellt eine Petition oder entwirft eine Anzeigen Kampagne. Auch hier wird demokratisch entschieden. Kampagnen Ideen werden zum Beispiel wöchentlich in einer Zufallsstichprobe von 10.000 Nutzern vorgestellt. Nur Kampagnen, die großen Zuspruch bekommen werden durchgeführt. So möchte Avaaz sicherstellen,“dass Ansichten und Wertvorstellungen der Menschen dieser Welt wichtige, uns alle betreffende, Entscheidungen beeinflussen.“ Allein durch Spenden von Privatpersonen wird die Organisation finanziert um Einflüsse von Staaten oder Konzernen auszuschließen.
Durch die Nutzung des Internets kann Avaaz wie ein „Löschfahrzeug“ handeln, welches zu einem Einsatz gerufen wird und sofort handeln muss.
Aktuell gibt es eine Petition zur „Korrigierenden Vergewaltigung“, welche in Tansania durchgeführt wird. Hier handelt es sich darum, dass homosexuelle Frauen über Stunden offiziell vergewaltigt werden, um sie zur normalen Sexualität zurück zu bringen. Dies ist offensichtlich ein unaussprechlicher Verstoß gegen die Menschenrechte und passiert trotzdem. Um einem solchen Vergehen Aufmerksamkeit zu verschaffen gibt es avaaz.org, hier wird in wenigen Sätzen informiert und man kann mit einem Klick eine Petition unterschreiben, welche dann wie folgt an den Präsident von Tansania gesendet wird:
"An Südafrikas Präsident Zuma und Minister Radebe:
Wir fordern Sie dazu auf, "korrigierende Vergewaltigungen" öffentlich zu verurteilen, diese Hassverbrechen zu kriminalisieren, unmittelbare Vollzugsmassnahmen durchzusetzen, die Öffentlichkeit aufzuklären und die Opfer zu schützen. Diese abscheuliche Praxis kann nur durch eine starke Führungsrolle Ihrer Behörde und der ganzen Regierung beendet werden. (…)“
Avaaz bedeutet in vielen Sprachen Osteuropas, des Mittleren Ostens sowie Asiens "Stimme". Die Bewegung ist seit 2007 mit der Botschaft Bürgerinnen und Bürger der ganzen Welt zu mobilisieren online gegangen. Sie wollen „gemeinsam die Lücke zwischen der Welt, die wir haben und der Welt, die wir uns wünschen (…) schließen.“
„Allen Avaaz-Kampagnen, so verschieden sie auch sein mögen, liegen gemeinsame Werte zugrunde - die Überzeugung, dass wir zuallererst Menschen sind, privilegiert durch Verantwortung füreinander, für zukünftige Generationen und unserem Planeten gegenüber.“
Das Internet bringt mit Sicherheit jedem persönlich etwas, sei es nur mit Freunden, der Familie oder den liebsten in der Welt kommunizieren zu können, eine Aufgabe wie Avaaz sie sich gesetzt hat, lässt diese Dinge vielleicht nicht in den Hintergrund rücken, aber es setzt sie in Relation zu den Dingen die in dieser Welt geschehen und zu den eigenen Prioritäten.
Wie oben bereits erwähnt verfolgt jeder von uns ein eigenes Ziel in der heutigen Onlinewelt. Es sollte sich aber auch jeder grundsätzlich die Frage stellen, weshalb es solche Organisationen so schwer haben, sogenannte “visits” zu generieren.
Warum ist es für die meisten ein gesellschaftlicher Anspruch morgens die bild.de zu lesen und darüber informiert zu werden, wer aus dem Dschungelcamp geflogen ist. Wie der Status der “virtuellen Freunde” in den „social networks“ ist, um herauszufinden, dass diese eine „steile Nacht im Amp“ hinter sich haben, anstatt sich bewusst für solche Organisationen wie avaaz.org einzusetzen, zu stimmen, zu posten, zu bewerten oder zu unterstützen. Diese Aktivität dauert ebenfalls weniger als ein Minute. Warum sind die Probleme in der eigenen kleinen Welt größer, wenn doch immer alle davon sprechen, dass wir globalisiert denken, arbeiten und leben und jeder Mensch ein Recht auf ein lebenswertes Leben habe?
Wir genießen in Deutschland das Privileg, jeden Tag Zeitungen lesen zu können, uns jeden Tag bewusst über politische und soziale Ereignisse im In- und Ausland zu informieren.
Auch im Rahmen dieses Privilegs kämpfen viele Journalisten für mehr Meinungsfreiheit und darum Missstände in dieser Welt aufzudecken, indem sie davon berichten und dafür einstehen. Avaaz.org versucht ebenfalls dieses Privileg aufrecht zu erhalten, kann es dank der heutigen Technologie schneller verbreiten und einer breiten Masse die Möglichkeit geben sich zu beteiligen.
Ich hoffe, dass die Avaaz Bewegung noch viel bekannter wird und dazu beiträgt diese Welt ein bisschen besser zu machen.
Ich werde meinen Facebook Account nicht löschen, aber ich bin froh, eine solche Organisation gefunden zu haben, die ich per Facebook ein bisschen bekannter machen kann und freue mich ab jetzt über jeden meiner Freunde, der diesen Link „liked“.
Frederike Öhmann